…halt’ auch die and’re Wange hin

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Ein Wort der Bibel lässt mich grübeln;

– und in mir regt sich Widerspruch.

Man möge dies’ mir nicht verübeln,

auch wenn’s Kritik am Heilig’ Buch.

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Da Gott mir hat Verstand gegeben,

zu denken meinen eig’nen Weg

und blind nicht nach der Schrift zu leben,

denk’ ich, es ist kein Sakrileg.

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Nicht sind als Lämmer wir geboren,

zu dulden und zu leiden nur.

Zu And’rem war’n wir auserkoren,

statt nur zum Trieb oder zur Schur.

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So sträubt sich denn in meinem Inner’n

alles, was machet meinen Sinn,

wenn ich mich muss der Wort’ erinnern:

`Halt’ auch die and’re Wange hin.

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– Was geb’ ich damit zu verstehen,

wenn ich befolge diesen Rat ?

Der Gegner wird’s vielleicht so sehen:

`Fahr’ fort mit deiner Übeltat !

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Was mag dies wohl für ihn nun heißen ?

– Wie Hohn es auf ihn wirken kann:

`Nicht kannst’ aus meiner Ruh’ mich reißen,

denn für mich bist kein ganzer Mann…

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Wenn man nun Jemand so beschämet,

kann dies’ im christlich’ Sinne sein ?

Noch mehr der Gegner sich dann grämet,

da er sich fühlet allzu klein.

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Ist’s Nächstenliebe, so zu handeln..?

Ist’s nicht vielmehr dasGegenteil?

Wird ein Aggressor sich denn wandeln,

wenn Schmähung so ihm wird zuteil…?

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Dies wag’ ich doch zu bezweifeln nun;

– Die Gest’ verkehret ihren Sinn.

Darum : Will Jemand dirArges tun,

halt n i c h t die and’re Wange hin …

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Von Bernd Michael Grosch

War eine Art Globetrotter, der in jüngeren Jahren die Welt bereiste und nahezu 9 Jahren in Asien lebte. Seit 2009 lebe ich wieder regulär in Deutschland.